Kopfschmerzen sind die häufigste Schmerzart bei Jugendlichen. Untersuchungen haben gezeigt, dass ca. 70 % der 12- bis 15-Jährigen unter Kopfschmerzen leiden; etwa 80 % der Mädchen und etwa 60 % der Jungen geben an, in den vergangenen drei Monaten wiederholt Kopfschmerzen gehabt zu haben1. Vor allem wiederkehrende Kopfschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität und können zu wiederholtem Schulausfall, mangelndem Selbstbewusstsein und zur Entwicklung chronischer Kopfschmerzen führen. Daher sollten sie gerade bei Jugendlichen nicht einfach so hingenommen werden. Eine wesentliche Rolle spielen auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme von Medikamenten und die altersgemäße Dosierung. Eltern sollten ihre jugendlichen Kinder ernst nehmen und darüber aufklären, dass Schmerzen behandelt werden können. So kann man verhindern, dass sich im Erwachsenenalter chronische Kopfschmerzen entwickeln. Kopfschmerzen sind nicht gleich Kopfschmerzen, denn es gibt viele verschiedene Formen mit unterschiedlichen Ursachen. Die häufigsten Formen sind Spannungskopfschmerzen und Migräne. 2012 litten hingegen nur 0,1% bis 0,9% der Bevölkerung an Clusterkopfschmerzen2.

Spannungskopfschmerzen – die häufigste Schmerzart bei Jugendlichen3, 4

Mädchen mit Kopfschmerzen

Quelle: Initiative Schmerzlos

Spannungskopfschmerzen werden auf Grund ihrer Häufigkeit im Volksmund auch als „normale“ Kopfschmerzen bezeichnet. Sie beginnen allmählich – und können im schlimmsten Fall eine Woche bleiben: Die Symptome zeigen sich in Form von leichten bis mäßig starken, dumpf-drückenden oder ziehenden Schmerzen, die den gesamten Kopf betreffen. Meist breitet sich diese Kopfschmerzart vom Schulter- und Nackenbereich aus. Der Spannungskopfschmerz fühle sich an, als werde der Kopf in einem Schraubstock zusammengepresst, berichten Betroffene. Andere haben eher das Gefühl, einen Helm zu tragen, der auf den Kopf drückt. Anders als bei Migräne oder Clusterkopfschmerzen werden Spannungskopfschmerzen in der Regel nicht von weiteren Symptomen wie z.B. Übelkeit, Lichtempfindlichkeit oder Augenrötung begleitet.

Auslöser von Spannungskopfschmerzen sind häufig muskuläre Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich, die auf psychische Ursachen (Schulstress, Liebeskummer, Angstgefühle), Reizüberflutung (TV, Internet, Smartphones), Schlafmangel oder zu wenig Bewegung zurückgeführt werden können. Sehr wahrscheinlich sind bei Spannungskopfschmerzen auch die Schmerzverarbeitung im Gehirn und die Schmerzdämpfung in den Nervenbahnen fehlerhaft. Ein Indiz dafür ist, dass bei vielen Patienten mit Kopfschmerzen die Muskulatur sehr schmerzempfindlich ist.

Wenn der Schmerz das Leben beeinflusst, bei neurologischen Ausfällen und beim Auftreten einer neuen Form des Schmerzes sollten Sie mit ihrem jugendlichen Kind einen Arzt aufsuchen.

Schmerzbehandlung bei Kopfschmerzen: Natürliche Hilfe, Altersgerechte Schmerzmittel

„Schon gewusst?“

Zähne checken: Kopfschmerzen können auch durch Fehlbelastungen im Kiefer ausgelöst werden. Lassen Sie die Zähne Ihres jugendlichen Kindes überprüfen! Eine Beißschiene für die Nacht kann dann Abhilfe schaffen – und die Kopfschmerzen hören auf.

Tipps: Schmerztagebuch, Behandlung (Erste Hilfe, Medikamente)


1 Fendrich, Konstanze et al. Hohe Prävalenz von Kopfschmerzen bei Jugendlichen – Ergebnisse einer epidemiologischen Studie in Vorpommern. Greifswald: Institut für Community Medicine, Universität Greifswald. Im Internet abrufbar unter: http://www.egms.de/static/en/meetings/gmds2005/05gmds240.shtml

2 A. May: Clusterkopfschmerz und trigeminoautonome Kopfschmerzen. Aus: Hans-Christoph Diener, Christian Weimar (Hrsg.): Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Herausgegeben von der Kommission „Leitlinen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. Thieme Verlag, Stuttgart, September 2012.

3 K. Fendrich et al. Headache prevalence among adolescents – the German DMKG headache study. Blackwell Publishing Ltd Cephalalgia, 2007, 27, 347–354

4 Zwart JA et al. The prevalence of migraine and tension-type headaches among adolescents in Norway. The Nord-Trøndelag Health Study (Head-HUNT-Youth), a large populationbased epidemiological study. Cephalalgia 2004; 24:373–9.