Altersgerechte Schmerzmittel

Das passende Schmerzmittel finden

Die Gabe von Schmerzmittel an Jugendliche empfinden viele Eltern als besonders schwierig zu handhaben.

Denn es stellen sich viele Fragen, wie zum Beispiel: Behandle ich meinen Sohn oder meine Tochter besser noch wie ein Kind oder lieber schon wie einen Erwachsenen? Welches Schmerzmittel wähle ich bei welchen Schmerzen? Und wieviel davon?

Bei Spannungskopfschmerzen oder akuter Migräne ist der Wirkstoff Ibuprofen das Mittel der ersten Wahl für Kinder und Jugendliche. Das empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).1 Schmerzmittel mit diesem Wirkstoff können auch bei leichten bis mäßig starken Regel- oder Rückenschmerzen helfen.

Mehr Informationen rund ums Thema Leitlinien gibt es hier.

Die Leitlinie zu Kopfschmerzen bei Kindern und Jugendlichen

Leitlinien helfen Ärzten, ihre Behandlung durchzuführen.

Schmerzmittel speziell für Jugendliche

Speziell bei Jugendlichen sollten bei der Schmerzmittelwahl einige Faktoren grundsätzlich beachtet werden.

Das Schmerzmittel sollte…

…schnell und verlässlich wirksam sein.

…auch in niedrigen Dosierungen verfügbar sein (z. B. Ibuprofen 200 mg).

…sicher und einfach in der Anwendung sein.

…einfach einzunehmen und leicht zu schlucken sein (z. B. Schmelztabletten oder kleine Weichkapseln).

Wichtig ist auch zu wissen, dass Schmerzmittel bei akuten Schmerzen angewendet werden können. Chronische Schmerzen müssen dagegen anders behandelt werden. Daher sollte am besten ein Arzt aufgesucht werden, der die Beschwerden abklären und eine entsprechende Behandlung empfehlen kann.

Unsere Checkliste kann dabei helfen zu bestimmen, wann es Zeit für einen Arztbesuch wird.

Das sollten Jugendliche bei der Anwendung von Schmerzmitteln beachten
Was?
Was?
Welches Schmerzmittel kann mir helfen?

Achtung: Unterschiedliche Schmerzmittel sollten nicht kombiniert werden!

Kopfschmerzen
Kopfschmerzen
Kopfschmerzen
Ibuprofen ist für Kinder und Jugendliche Mittel erster Wahl bei Spannungskopfschmerzen und Migräne.1
Auch bei leichten bis mäßigen Regel- und Rückenschmerzen kann Ibuprofen helfen.
Regelschmerzen
Regelschmerzen
Regelschmerzen
Rückenschmerzen
Rückenschmerzen
Rückenschmerzen
Wann?
Wann?
Wann sollte ich zu einem Schmerzmittel greifen?
Rechtzeitig
Rechtzeitig
Rechtzeitig
Am Besten sobald die Schmerzintensität von leicht zu mäßig übergeht.
Nicht zu lange Warten
Nicht zu lange Warten
Nicht zu lange Warten
Schmerzen sollten nicht bis zur Unerträglichkeit ausgehalten werden.
Wieviel?
Wieviel?
Wieviel kann ich einnehmen?
Max. 7 bis 10mg Ibuprofen pro kg Körpergewicht
Max. 7 bis 10mg Ibuprofen pro kg Körpergewicht
Max. 7 bis 10mg Ibuprofen pro kg Körpergewicht
Diese Regel kann grundsätzlich beachtet werden.
Einzeldosis Ibuprofen
Einzeldosis Ibuprofen
Einzeldosis Ibuprofen
Max. 400mg Ibuprofen pro Einnahme.
max. 1200mg Ibuprofen pro Tag
max. 1200mg Ibuprofen pro Tag
max. 1200mg Ibuprofen pro Tag
Diese maximale Tagesdosis darf nicht überschritten werden.
6 Stunden Pause
6 Stunden Pause
6 Stunden Pause
So viel Zeit sollte mindestens zwischen jeder Einnahme liegen.
Wie lange?
Wie lange?
Wie lange kann ich Schmerzmittel einnehmen?

Faustregel: Nicht länger als zehn Tage im Monat, nicht länger als drei Tage hintereinander.

Max. 3 Tage hintereinander
Max. 3 Tage hintereinander
Max. 3 Tage hintereinander
Nach Ablauf dieses Zeitraums sollte auf Schmerzmittel verzichtet werden.
Max. 10 Tage im Monat
Max. 10 Tage im Monat
Max. 10 Tage im Monat
Eine zu häufige Einnahme von Schmerzmitteln kann wiederum sogenannte medikamenteninduzierte Kopfschmerzen verursachen.

Wann sind Schmerzen überhaupt chronisch?

Akute Schmerzen treten plötzlich auf und halten nur für kürzere Zeit an.

In der Regel verschwinden sie innerhalb einiger Stunden oder Tage wieder. Chronisch sind Schmerzen dagegen, wenn sie länger als drei bis sechs Monate andauern. Aber auch Schmerzen, die immer wieder zurückkehren, gelten als chronisch. Bei Migräne ist das zum Beispiel der Fall, wenn sie an mehr als 15 Tagen im Monat auftritt.

Spannungskopfschmerzen mit Medikamenten behandeln – aber richtig!

Treten Spannungskopfschmerzen, also „normale“ Kopfschmerzen, bei Jugendlichen nur gelegentlich auf, kann man sie auch selbst mit Medikamenten behandeln.

Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt dafür Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl.1 Entsprechende Medikamente sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.

Medikamente bei Migräne – auf den individuellen Fall kommt es an

Bei akuten Migräneattacken empfehlen Experten u.a. Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl. Sind die Migräneattacken besonders schwer, sollte mit einem Arzt über den Einsatz von rezeptpflichtigen Migränemitteln (sogenannte Triptane) gesprochen werden. Kindern ab zwölf Jahren können etwa Nasensprays mit dem Wirkstoff Sumatriptan helfen.

Treten Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit den Migräneattacken auf, eignen sich ergänzend Medikamente mit den Wirkstoffen Domperidon oder Dimenhydrinat. Diese regen die Magenbewegung an, dadurch werden die Übelkeit gelindert und die Aufnahme von Schmerzmitteln gefördert. Auch diese Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig.

Medikamentöse Behandlung von Regelschmerzen – den Frauenarzt fragen

Wenn Regelschmerzen auftreten, sollten Mädchen und junge Frauen zunächst mit ihrem Frauenarzt über geeignete Medikamente sprechen. Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie z. B. Ibuprofen oder Naproxen können die Beschwerden lindern. Oft wird auch die Antibabypille gegen Menstruationsbeschwerden eingesetzt.

Rückenschmerzen – Verspannungen mit Schmerzmitteln vermeiden

Halten Rückenschmerzen länger an, nimmt man oft automatisch eine Schonhaltung ein. Diese kann allerdings wiederum zu weiteren Verspannungen führen.

Deshalb kann es sinnvoll sein, leichte bis mäßig starke akute Rückenschmerzen mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure zu behandeln. So kann es gelingen, wieder körperlich aktiv zu werden und sich zu bewegen, was wiederum die Rückenschmerzen lindern kann.

Doch Vorsicht ist geboten: die Schmerzmittel sollten nur für einen begrenzten Zeitraum eingenommen werden – maximal zehn Tage im Monat und maximal drei Tage am Stück.

1 S. Evers et al. Therapie idiopathischer Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter. Revidierte Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP). Nervenheilkunde 12/2008