Altersgerechte Schmerzmittel

Der angemessene Umgang mit Schmerzmitteln bei Jugendlichen

Sind natürliche Maßnahmen nicht ausreichend wirksam, stehen mehrere medikamentöse Wirkstoffe zur Verfügung wie z.B. Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure. Doch so unterschiedlich die jeweiligen Schmerzarten sind, so unterschiedlich kann auch die Behandlung durch Medikamente erfolgen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt für Kinder und Jugendliche bei Spannungskopfschmerzen oder bei akuten Migräneattacken Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl.1 Schmerzmittel mit diesem Wirkstoff sind auch bei leichten bis mäßig starken Regel- oder Rückenschmerzen hilfreich. Allerdings ist die Behandlung mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure bei Clusterkopfschmerzen nicht sinnvoll.

Generell sollten Eltern und Erziehungsberechtigte bei der Wahl eines Schmerzmittels speziell für Jugendliche darauf achten, dass dieses schnell und verlässlich wirksam, auch in niedrigen Dosierungen (z.B. Ibuprofen 200 mg) verfügbar sowie sicher und einfach in der Anwendung ist. Es ist hilfreich, Jugendliche darüber aufzuklären, dass Schmerzmittel bei akuten Schmerzen angewendet werden können, aber bei chronischen Schmerzen keine alleinige Lösung darstellen. Grundsätzlich ist es sinnvoll, zur Abklärung einen Arzt oder Ärztin aufzusuchen. Die Ärzte können dann eine entsprechende Behandlung empfehlen.

Für Jugendliche gibt es zum Beispiel auch verschiedene Arten der Einnahme von Schmerzmitteln, die sich unterschiedlich gut eignen. Wichtig ist auch, bei der Einnahme und der Dosierung ein paar Regeln zu beachten.

Wenn Spannungskopfschmerzen, also „gewöhnliche“ Kopfschmerzen, bei Jugendlichen nur gelegentlich vorkommen, empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zur Selbstmedikation Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen als Mittel der ersten Wahl.1 Medikamente mit diesem Wirkstoff sind in der Apotheke rezeptfrei erhältlich.

Wichtig: Bei zu häufiger Einnahme können Schmerzmittel auf Dauer chronische Kopfschmerzen auslösen. Diese medikamenteninduzierten Kopfschmerzen haben ähnliche Symptome wie Spannungskopfschmerzen. Schmerzmittel sollten daher nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat und nicht mehr als drei Tage hintereinander eingenommen werden.

Arzneiformen für Jugendliche

Als Mittel der ersten Wahl empfehlen Experten bei akuten Migräneattacken u.a. Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Bei schweren Migräneattacken ist der Einsatz rezeptpflichtiger Migränemittel, so genannter Triptane, mit dem Arzt oder der Ärztin abzuklären. Für Kinder ab zwölf Jahren und Jugendliche kann ein Nasenspray mit dem Wirkstoff Sumatriptan hilfreich sein. Bei Migräneattacken, die mit Übelkeit und Erbrechen einhergehen, eignen sich Medikamente mit den Wirkstoffen Metoclopramid und Domperidon, die anregend auf die Magenbewegung wirken. Hierdurch wird die Übelkeit gelindert und die Aufnahme der Schmerzmittel gefördert. Beide Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig.

Arzneiformen für Jugendliche

Eine Selbstbehandlung ohne Rücksprache mit einem Arzt ist bei Clusterkopfschmerzen nicht sinnvoll. Beim Arzt oder der Ärztin sollte die Kopfschmerzart abgeklärt werden und über die passende Behandlung entschieden werden. Bei akuten Attacken werden die als Migränemittel bekannten Triptane, hier die Wirkstoffe Sumatriptan oder Zolmitriptan, häufig eingesetzt. Es handelt sich dabei um rezeptpflichtige Medikamente, die vom Arzt verschrieben werden müssen und in der Dosierung auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten werden. Erfolgreich kann auch der Einsatz eines lokalen Betäubungsmittels (Lidocain) sein, das in die Nasenflügel auf der betroffenen Kopfseite gesprüht wird.

Arzneiformen für Jugendliche

Mädchen und junge Frauen sollten über Medikamente gegen Menstruationsbeschwerden am besten zunächst mit ihrem Frauenarzt/ihrer Frauenärztin sprechen. Er/sie weiß am besten, welches Arzneimittel hilfreich sein könnte. Bei Menstruationsschmerzen können Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen oder Naproxen helfen. Sie sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich. In vielen Fällen wird auch die Antibabypille gegen Regelschmerzen eingesetzt.

Arzneiformen für Jugendliche

Anhaltende Rückenschmerzen können zu weiteren Verspannungen führen. Daher kann eine Behandlung mit Schmerzmitteln wie zum Beispiel Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure bei leichten bis mäßig starken, akuten Rückenschmerzen sinnvoll sein, aber nur für eine begrenzte Zeit von ca. zwei Wochen (bis zu zehn Tage im Monat, nicht länger als drei Tage hintereinander). Die Behandlung kann Jugendlichen helfen, wieder körperlich aktiv zu werden. Bewegung ist wieder möglich, dadurch können Rückenschmerzen gelindert werden.

Arzneiformen für Jugendliche

Wichtig ist, dass das Schmerzmittel einfach einzunehmen ist, denn viele Jugendliche haben Probleme, Tabletten zu schlucken.2 Daher ist es ratsam, auf eine altersgerechte Arzneiform und Dosierung zu achten. Als geeignet erwiesen haben sich z.B. Schmelztabletten oder kleine Weichkapseln (z.B. Ibuprofen 200 mg), die eine kleinere Dosierung ermöglichen. Schmelztabletten bieten zudem den Vorteil, dass sie im Mund zergehen und ohne Wasser eingenommen werden können.

Sowohl bei der Medikamentendosierung als auch bei der Einnahme sollten Jugendliche folgende Dinge beachten:

  • Die Einzeldosis Ibuprofen richtet sich nach dem Körpergewicht. In der Regel sind max. 10 mg pro 1 kg Körpergewicht in der Selbstmedikation. Die maximale Einzeldosis beträgt 400 mg. Die maximale Tagesdosis ist 1.200 mg.
  • Wichtig ist die rechtzeitige Einnahme, unabhängig von der Mahlzeit. Jugendliche sollten nicht so lange warten, bis die Schmerzintensität unerträglich ist. Der beste Zeitpunkt der Einnahme ist, wenn die Schmerzen im Übergang von leicht zu mäßig sind. Wenn die Betroffenen wissen, dass die Schmerzen in jedem Fall stärker werden, können • Schmerzmittel schon bei leichten Schmerzen eingenommen werden.
  • Das Dosierungsintervall sollte sechs Stunden (je nach Medikament) nicht unterschreiten. Bei Migräne kann auch schon früher eine erneute Gabe sinnvoll sein, wenn die erste Gabe wirksam war, der Kopfschmerz aber wiedergekommen ist.
  • Als Faustregel gilt, Schmerzmittel nicht häufiger als zehn Tage im Monat und nicht länger als drei Tage hintereinander einzunehmen. Wenn Schmerzmittel häufiger eingenommen werden, kann es zu medikamentenbedingten Kopfschmerzen kommen.
  • Von einer Kombination unterschiedlicher Schmerzmittel ist abzuraten, da sonst unerwünschte Wechselwirkungen auftreten können.

1 S. Evers et al. Therapie idiopathischer Kopfschmerzen im Kindes- und Jugendalter. Revidierte Empfehlungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und der Gesellschaft für Neuropädiatrie (GNP). Nervenheilkunde 12/2008.

2 VERTU International Market Research, Qualitative Research, Reckitt Benckiser, 03/2013.